“Zu” sensibel?

Wenn ich heute eines gut kann, dann ist es mich mit meiner Innenwelt auseinanderzusetzen und zu fühlen, was da ist.

Auch wenn ich die Tendenz dazu vermutlich schon immer hatte, fehlte mir lange jedoch die tatsächliche Kompetenz dafür. Wie sich herausstellte, muss der moderne Mensch es tatsächlich erst wieder lernen, wie er “richtig” fühlt.

Nachdem ich in meiner persönlichen Weiterentwicklung immer wieder auf Widerstand und Blockaden stieß, war mir irgendwann klar, dass die Ursache für das “nicht weiterkommen” in meinem Körper liegt. Trotz des Verstehens und Analysierens meiner Muster, fand ich mich immer wieder in den gleichen Situationen wieder. Das hat mich irgendwann so frustriert, dass ich mich auf die Suche nach dem “wie” gemacht habe:

Wie werde ich los, was in meinem Körper gespeichert ist und was mich immer wieder davon abhält, mich in die Richtung zu verändern, die ich gerne ansteuern würde?

Ich fand die Antwort darauf in der Arbeit mit dem autonomen Nervensystem. Genauer gesagt in einer Embodiment-Methode, die es ermöglicht, das Nervensystem langfristig und sanft zu regulieren.

Sie begleitet den Körper dabei, die Emotionen auszuleiten, die er in überfordernden Situationen in der Vergangenheit festgehalten hat. Die aber heute, im Hier und Jetzt, keine sinnvolle Aufgabe mehr haben. Im Gegenteil. Die dem aktiv entgegenstehen, dass wir uns weiterentwickeln und über uns hinauswachsen.

Ich konnte lange sprichwörtlich “einfach nicht aus meiner Haut”. Weil mein Körper so stark von etwas gesteuert wurde, das ihn einst verletzt hat.

Seitdem ich mein Nervensystem aber in einem regulierteren Grundzustand halte, hat sich meine Lebensqualität maßgeblich verbessert und ich habe mich genau in die Richtung entwickeln können, nach der ich mich gesehnt habe.

Zunächst haben Energielosigkeit, Brain Fog, Stimmungsschwankungen, Migräne, Regelschmerzen und PMS sich auf körperlicher Ebene aus meinem Leben verabschiedet.

Langfristig habe ich meine innere Kritikerin in den Griff bekommen. Weder scannt sie mich noch ununterbrochen in sozialen Interaktionen und sagt mir, dass ich komisch rede oder stehe. Noch sucht sie bei jedem Blick in den Spiegel nach Unperfektheit. Auch die Anpassungs-Meisterin in mir habe ich in den Ruhestand geschickt. Ich versuche nicht mehr die Stimmung im Raum zu lesen und mich so zu verstellen, damit sich alle anderen wohl fühlen. Generell verunsichere ich mich selbst nicht mehr mit dem Gedanken, wie ich auf andere Menschen wirke. Das hat auch dazu geführt, dass ich mich traue anzuziehen, worauf ich Lust habe, ohne mir die Frage zu stellen, ob zu auffallend damit sein könnte. Der wohl größte Gewinn ist aber, dass ich überhaupt weiß, worauf ich Lust habe und was ich mag. Zuvor habe ich Dinge darauf basierend ausgesucht und entschieden, was andere vermeintlich gut finden oder von mir erwarten würden.

Fühlt sich wie ein vergangenes Leben an.

Heute werde ich von Freude, Durchsetzungsstärke, Kreativität und Genussfähigkeit durch meinem Alltag getragen. Ich habe ein Gefühl dafür, was meinem “authentischen Ich” am ehesten entspricht. Und vor allem habe ich den Mut und die Sicherheit in mir selbst, es auch zu zeigen und auszuleben. Ein Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmtheit, nach dem ich mich lange gesehnt habe. Ein Leben zu führen, ohne Scham und ohne den Drang, mich mit anderen vergleichen zu müssen, bringt große Leichtigkeit mit sich. Statt des ständigen inneren Kampfes, hat sich eine Verbundenheit zu mir selbst aufgebaut, aus der ganz viel Stärke hervorgeht.

Es hat sich eine innere Sicherheit gebildet, die ich in jede Situation mittrage. Und die es mir ermöglicht, das zuvor Unmögliche tatsächlich zu erleben.

Heute sehe ich es als meine größte Gabe, meine inneren Prozesse so gut managen und mich den unangenehmen Emotionen stellen zu können, die sich im Zuge neuer Erfahrungen immer wieder zeigen.

Denn genau das befähigt mich dazu, auch anderen Menschen den Halt zu geben, den sie brauchen, um den Kontakt zu ihrem Gefühlsleben wieder herzustellen. Um so ihr Leben so vollständig nach ihren Vorstellungen und Wünschen gestalten zu können.